• Selina Wilhelm

"Das Geheimnis ...



... von Claydon Manor" hat nun einen offiziellen Releaseday für das E-Book.


17.09.2021


Das Taschenbuch wird ebenfalls im September erscheinen. Hier kann ich allerdings noch kein genaues Datum nennen.


Vielleicht habt ihr auch schon bemerkt, dass sich das Cover noch einmal geändert hat (ja, ja Schande über mich:-)). Jetzt denkt ihr bestimmt, dass ich nicht sonderlich entscheidungsfreudig bin: Ihr habt recht. Vor allen Dingen aber, habe ich immer den Drang so viel wie möglich selbst machen zu wollen (Außer natürlich dem Korrektorat/Lektorat. Da war von Anfang an klar, dass hier der größte Teil des Budgets in ein professionelles Korrektorat/Lektorat fließen wird). Beim Coverdesign musste ich mir nun aber auch eingestehen, dass das andere besser machen (vieeeeeel besser *grins*). Außerdem habe ich zu viel Zeit hinein gesteckt, nur um am Ende dann unzufrieden zu sein. Da wusste ich, hier stimmt etwas nicht und ich muss loslassen (Das ist mir nicht leichtgefallen, aber jetzt bin ich überglücklich).


Deshalb, für alle, die es noch nicht gesehen haben, hier das Finale (und jetzt wirklich das Finale) Buchcover:


Wer übrigens noch Lust hat für "Das Geheimnis von Claydon Manor" zu bloggen, darf sich gerne noch bis zum 15.08.21 bei mir melden. Ihr bekommt von mir das E-Book und ein paar liebevoll gestaltete Goodies (Ich versuche mich nächste Woche noch an ein paar Buchkerzen, kann aber nicht versprechen, ob sie mir gelingen werden :-)).

Dafür erwarte ich eine ausführliche Rezension auf den gängigen Online-Shops und gerne auch auf Lovelybooks (dort wird es aber auch noch eine Leserunde geben ;-))

Das erste Kapitel


Wie versprochen, bekommt ihr heute auch den ersten Teil von Kapitel 1 zum reinschnuppern. Den zweiten Teil gibt es dann in meinem nächsten Beitrag und danach ist es bis zum Releaseday nicht mehr weit ;-)


***


Was ich vorher aber noch loswerden möchte:

Ich hoffe euch allen geht es gut und ihr habt einen wundervollen Sommer. Vielleicht fährt der ein oder andere von euch in den Urlaub oder war womöglich schon?

Wir waren letzte Woche für einige Tage in Österreich und haben uns dort in einem Familienhotel bei Kärnten einquartiert. So langsam aber sicher war uns Zuhause die Decke auf den Kopf gefallen und es war eine ganz spontane Idee von uns zu vereisen (Wegen der neuen Selbstständigkeit meines Mannes war dieses Jahr eigentlich kein Urlaub geplant).

Das Hotel war wirklich ein Glücksgriff. Es war toll und für die Kinder traumhaft. Von Wassersafari, bis Forellenangeln und Ponyreiten war alles für die Kinderherzen geboten.

Wenn einer von euch eine Empfehlung für ein Kinderhotel hat, immer her damit. Wir waren davon so begeistert, dass wir das nächstes Jahr wiederholen möchten :-)


***


Kapitel 1 (Teil 1)



Claydon Manor, Anfang Oktober 1855


Grace Brown hatte sie nicht darauf vorbereitet, was für ein Ort sie erwarten würde. Sophia hatte auch nicht danach gefragt. Nachdem man sie ohne Bewusstsein und ohne jegliche Erinnerungen auf der Straße aufgelesen hatte, war Grace bereit gewesen, sich um sie zu kümmern, ihr ein zu Hause zu geben.

Einige Wochen später hatte ihr die alte Dame zu einer Anstellung als Gouvernante verholfen. Denn obwohl sich Sophia an nichts aus ihrem vorherigen Leben erinnerte, hatte sich herausgestellt, dass sie reichlich belesen war, sich in Kunst und Musik auskannte und zwei Fremdsprachen beherrschte.

Die beste Voraussetzung für eine Anstellung als Gouvernante und weit mehr als eine respektable Lösung für jemanden wie sie.

Grace war in den letzten Wochen ihr einziger Halt, ihre Festung gewesen. Sich von ihr zu trennen, um von nun an allein diesen neuen, ungewissen Weg zu beschreiten, bereitete Sophia Unbehagen.

Trotz der Dankbarkeit, die sie gegenüber ihrer Gönnerin empfand, war ihr die Trennung von Grace schwergefallen. Es hatte all ihre Überwindung gekostet, in die Postkutsche zu steigen, die sie weit fort von dem Menschen brachte, den sie liebgewonnen hatte.

Nach Claydon Manor.

Hier stand sie jetzt, vor diesem imposanten Anwesen und fragte sich, ob die Dunkelheit, die ihre Vergangenheit ausfüllte, jemals wieder von Licht erfüllt sein würde.

Da sie über kaum nennenswertes Reisegepäck verfügte, war es für sie kein Problem, das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen. Die einzige Tasche, die sie bei sich trug, war mit zwei einfachen Kleidern und einem Paar Schuhe zum Wechseln gefüllt. Ihr besseres Kleid, genäht aus dunkelblauem Baumwollstoff, hatte sie am Morgen angezogen. Sie wollte einen halbwegs passablen Eindruck hinterlassen.

Gefühlt eine Ewigkeit hatte sie damit zugebracht, vor dem Spiegel der Gaststätte zu stehen, in der sie übernachtet hatte, und ihr widerspenstiges, blondes Haar ordentlich nach hinten zu stecken. Da ihr Haar nicht glatt war und die Angewohnheit besaß, sich zu kräuseln, war ihr das nicht so einwandfrei gelungen, wie sie erhofft hatte.

Der Baumwollmantel, den Grace ihr überlassen hatte, schützte sie vor dem frostigen Oktoberwind und dem Regen, der sich seit Tagen unaufhörlich über die Landschaft ergoss. Nur heute schien ihr das Wetter wohlgesonnen. Der Regen verharrte in den dicken grauen Wolken, die über ihrem Kopf hinweg zogen. Sophia hoffte inständig, dass der Wolkenbruch auf sich warten ließ, bis sie ihr Ziel erreicht hatte.

Vor ihr erstreckte sich eine gepflegte und ausladende Gartenanlage. Die Rosenbüsche, die den Kiesweg säumten, waren akkurat geschnitten. Der Weg von jeglichem Laub befreit, wie man es von einem herrschaftlichen Anwesen wie diesem erwartete.

Als sie ihren Blick vom Garten auf das Herrenhaus richtete, musste sie schlucken. Das drei Stockwerke hohe Haus überragte die Landschaft der dahinter liegenden großflächigen Wälder und Wiesen. Die Abendsonne strahlte in den hunderten Fenstern, als träfe sie auf unzählige Spiegel.

Sophia atmete tief ein. Vor ihrem inneren Auge malte sie sich aus, wie dieser Ort im Frühjahr erstrahlen würde, wenn die Blüte eingesetzt hatte. Die Rosenbüsche, die mit ihren in kräftigem Rot schimmernden Blättern alle anderen Blumen in den Schatten zu stellen versuchen würden. Der Anblick der blühenden Kirschbäume und der Duft des Flieders, der abseits des Weges wuchs. Es musste ein Ort sein, der zum Verweilen einlud. Dennoch verspürte sie eine ungeahnte Traurigkeit. Sie ließ ihren Blick über die Gemäuer gleiten. Da war ein Gefühl, tief im Inneren ihrer Brust, das sie zögern ließ, ihren Weg fortzusetzen.

Es war der Ort, an dem Grace Brown vor langer Zeit als Gouvernante des jetzigen Earls gearbeitet hatte. Um die Erziehung von dessen Tochter sollte sich von nun an Sophia kümmern.

Der Earl musste wahrhaftiges Vertrauen in seine ehemalige Gouvernante haben, wenn er ihrer Empfehlung nachkam und jemanden in seine Dienste nahm, ohne diese Person zuvor kennengelernt zu haben.

Grace hatte in ihrem Schreiben an den Earl zwar erwähnt, dass Sophia sich nicht an ihre frühere Vergangenheit erinnern konnte, doch selbst diese nicht alltägliche Gegebenheit hatte ihn nicht davon abgeschreckt, sie einzustellen.

Dieses Vertrauen wollte Sophia in keiner Weise erschüttern. Nach dem, was sie Grace zu verdanken hatte, wäre das unverzeihlich und kaum mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. Also ignorierte sie tapfer das Bedürfnis kehrtzumachen und setzte ihren Weg in Richtung des Herrenhauses fort.

Der Eingang war von beiden Seiten durch jeweils zwei Pilaster umrahmt. Die imposanten Wandpfeiler liefen über der Tür in ein Dreieck zusammen, in deren Mitte Rosenknospen eingemeißelt waren.

»Du wirst sehen, mein Kind. Schon bald wirst du deinem Schicksal gegenüberstehen. Jeder hat seinen Platz auf dieser Welt und auch du wirst den deinen finden.« Nachdem Graces Abschiedsworte in ihrem Kopf verhallt waren, griff sie nach dem schweren Türklopfer.

»Sie müssen Miss Sophia sein.«

Erschrocken ließ Sophia den Türklopfer los und fuhr herum. Auf dem Weg zum Eingang war ihr niemand aufgefallen.

Ein hochgewachsener Mann mit weißem Haar, das unter seiner Mütze hervortrat und mit sonnengegerbten Gesicht stand ihr gegenüber. Die Falten um seine Mundpartie und den blauen Augen verrieten, dass er jemand war, der das Leben genoss und gerne lachte.

»Guten Abend, Sir. Ja, das bin ich.«

Der Mann nahm seine Stoffmütze ab und trat einen Schritt auf sie zu. Seine Kleidung war mit Erde beschmutzt und seine langen Stiefel voll mit Schlamm.

»Ich bin erleichtert, dass Sie hier sind. Wir hatten bereits heute Mittag mit Ihrer Ankunft gerechnet.«

Dass sie gleich an ihrem ersten Tag mit Unpünktlichkeit glänzte, war kein guter Anfang. »Es tut mir leid. Die Radachse der Postkutsche ist gebrochen und ich musste mir eine anderweitige Mitfahrgelegenheit suchen.«

»Oh, bitte«, lenkte der Mann freundlich ein. »Sie müssen sich nicht entschuldigen. Wir haben uns nur Sorgen gemacht. Gerade wollte ich jemanden losschicken, Ihnen entgegenzureiten. In letzter Zeit gab es hier einige Überfälle, müssen Sie wissen.«

»Oh«, entfuhr es Sophia, die überrascht war von dieser ehrlichen Fürsorge gegenüber einer Fremden.

»Bitte verzeihen Sie.« Der Mann streckte seine Hand aus, zog sie jedoch sogleich zurück, als er bemerkte, dass sie voller Erde war. »Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Ich bin Mr. Turner, der Gärtner. Ich hoffe, Sie haben das Unglück unversehrt überstanden?«

»Mir ist nichts geschehen, vielen Dank.«

»Da bin ich aber erleichtert.« Mr. Turners Blick wanderte zu der Tasche, die sie vor sich hielt und er runzelte die Stirn. »Ist das alles, was Sie dabeihaben?«

»Ja.«

Wenn Mr. Turner ihre Verlegenheit registrierte, so ließ er es sich nicht anmerken. »Sie müssen verzeihen, wenn ich Sie das frage, aber Sophia ist nicht ihr Familienname, oder?«

»Nein«, entgegnete sie mit einem Lächeln. Die Herzlichkeit dieses Mannes nahm ihr ein Stück der Anspannung, welche sie seit dem Morgen verspürt hatte.

»Dann verzeihen Sie bitte meine unhöfliche Ansprache, leider hat man mir Ihren Familiennamen nicht mitgeteilt.« Mr. Turner griff nach ihrer Tasche, um sie ihr abzunehmen.

»Oh nein, bitte entschuldigen Sie sich nicht. Es ist so, dass ich keinen …« Nachnamen habe, wollte sie den Satz beenden, wurde aber unterbrochen, weil hinter ihr die Tür aufging.

Sie wirbelte herum, sodass Mr. Turner keine Gelegenheit mehr bekam, ihr die Tasche abzunehmen und er ins Leere griff.

Eine stämmige Frau mit kurzen, roten Haaren, die mit vielen grauen Strähnen durchsetzt waren, trat aus der Tür.

Für einen Augenblick befürchtete Sophia, diese Frau würde ihr nicht die gleiche Herzlichkeit entgegenbringen, wie es bei Mr. Turner der Fall war. Dann aber stahl sich ein aufrichtiges Lächeln auf ihr Gesicht. »Miss Sophia, nehme ich an?«

»Ja.«

»Ich bin erleichtert, wir wollten schon einen Suchtrupp nach Ihnen ausschicken. Ich bin Mrs. Turner, die Hausverwalterin.«

Überrascht drehte sich Sophia halb herum zu Mr. Turner, bevor sie sich wieder zurück an Mrs. Turner wandte, welche eifrig nickte.

»Ganz recht, Mr. Turner ist mein Ehemann«, sagte diese und Stolz schwang in ihrer tiefen Stimme mit. »Er ist der beste Gärtner weit und breit, das kann ich wohl sagen. Aber …« Ihr Blick glitt auf Sophias Tasche und sie zog die Stirn kraus, als sie daraufhin tadelnd ihren Mann ansah. »… du hast heute wohl deine Manieren vergessen. Warum nimmst du dem Fräulein nicht endlich das Gepäck ab?« Es war mehr ein liebevolles Tadeln als eine ernst gemeinte Rüge. Ihre Stirn legte sich erneut in Falten: »Ist das alles, was Sie dabeihaben?«

Das war das zweite Mal innerhalb weniger Minuten, dass man ihr diese Frage stellte. Verlegen senkte Sophia den Blick. Es war anzunehmen, dass der Earl seine Angestellten nicht über ihre Lage informiert hatte.

»Ja, mehr besitze ich leider nicht«, erwiderte sie wahrheitsgemäß.

»Nun.« Mrs. Turner bedachte sie mit kümmerndem Blick. »Das ist nicht weiter tragisch. Hier auf Claydon Manor haben wir alles, was Sie brauchen. Wenn seine Lordschaft auch recht eigensinnig sein mag, an der ordnungsgemäßen Kleidung seiner Angestellten spart er keineswegs.«

Eigensinnig. Sophias Gedanken überschlugen sich bei der Überlegung, was das zu bedeuten hatte ...


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